Aktuelles

Presseartikel:
Radtour folgt Spuren von Wittens Polen

WAZ online vom 25. März 2004 (Wittener Lokalteil)

Auf die Spuren der Menschen aus Polen, die um 1900 in Zechen und Stahlwerke des Ruhrgebiets und damit auch nach Witten kamen, führt eine Broschüre, die von der Rosi-Wolfstein-Gesellschaft am Donnerstag vorgestellt wurde.

Auf zwölf Stationen begleitet die Broschüre den Leser - und Radfahrer - auf einer etwa 22 Kilometer langen Tour mit historischem Hintergrund durch Witten, die symbolisch am Hauptbahnhof beginnt. Hier hatten die meisten der Zuwanderer mit großen Erwartungen und Hoffungen erstmals den Boden der Ruhrstadt betreten. So ist der Titel "Reise in ein unbekanntes Land".

Die Fahrt geht vorbei am Saalbau, wo einmal die Zeche Franziska Tiefbau stand, zum Rathaus, der Pfarrkirche St. Marien zur Siedlung "Zwölf Apostel" (Königsberger Straße und andere), die nach dem 2. Weltkrieg für Flüchtlinge und Vertriebene aus dem Osten gebaut wurde. Hier wird im Heft daran erinnert, dass die Wittener Polen nie in einem zusammenhängenden Viertel wohnten, sondern über das Stadtgebiet verstreut lebten.

Weiter geht es nach Annen zum ehemaligen Gußstahlwerk und dem Amtshaus, zur Gedenkstätte für das KZ-Außenlager an der Westfeldstraße. Von dort führt der Weg nach Düren, wo Polen für eine Handvoll Brot in der Landwirtschaft tätig waren. Neunte Station ist der Friedhof am Trantenrother Weg, wo viele Zwangsarbeiter begraben sind. Es folgt die ehemalige Aussiedler-Unterkunft an der Oberkrone, wo in den 80er Jahren Spätaussiedler wohnten. Sie wurden häufig auch als "neue Polacken" tituliert.

Die letzten drei Anlaufpunkte sind der "Polen-Block" an der Sprockhöveler Straße (67 bis 73), die Germania auf dem Karl-Marx-Platz und der Innenhof von Haus Witten. Hier wurde Pfingsten 1999 feierlich die Partnerschaft zwischen Witten und dem polnischen Tczew besiegelt.

Neuer Ausdruck der Verbundenheit ist die Übersetzung der Broschüre ins Polnische, die schon fertig ist. Für den Druck wird aber noch ein Sponsor gesucht.

"Reise in ein unbekanntes Land", Ruhrstadt-Verlag, 44 Seiten, im Buchhandel ab sofort für 8,50 Euro, Erstauflage 200.

Presseartikel:
Auf den Spuren der Polen in Witten

Ruhr Nachrichten online vom 25. März 2004 (Wittener Lokalteil)

Witten - Das Ruhrgebiet war ihnen wie die Verheißung des Paradieses erschienen. Hier, so hatten sie geglaubt, würden sie ein paar Jahre unter Tage oder in den Stahlwerken arbeiten. Danach könnten sie in ihre Heimat zurückkehren, dort Land kaufen und als Bauern leben. Doch die Wirklichkeit sah anders aus.

Kaum jemand weiß noch, dass vor rund 100 Jahren hunderttausende Polen aus den preußischen Ostprovinzen ins Ruhrgebiet zogen. Auf der Suche nach Arbeit kamen sie auch nach Witten. Ihre Geschichte ist Thema einer Radtour, zu der die Rosi-Wolfstein-Gesellschaft jetzt eine Broschüre herausgibt. Geschrieben hat sie der Wittener Historiker Dr. Frank Ahland, verlegt der Ruhrstadt-Verlag in Witten.

Die Broschüre schildert ein ganzes Jahrhundert deutsch-polnischer Geschichte in Witten. Angefangen um 1900, als die Polen zumeist die schmutzigsten und gefährlichsten Arbeiten zu verrichten hatten, über die Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge in der Rüstungsindustrie des Zweiten Weltkrieges, über die Flüchtlinge der Nachkriegszeit bis zu den Spätaussiedlern der Gegenwart. An zwölf Stationen begleitet die Broschüre den Leser auf seiner Radtour durch Witten. Beginnend am Hauptbahnhof führt die 22 Kilometer lange Tour durch die Innenstadt, Annen, Düren, Krone und endet im Haus Witten. An jeder Station erhält der Leser spannende Informationen zu einem schwierigen und lange verborgenen Kapitel der Wittener Stadtgeschichte.

Dabei macht die Geschichte deutlich, dass die Eingliederung von Zuwanderern nicht von alleine läuft, oft dauert es mehrere Jahrzehnte. Auf dem Hintergrund des Beitritts Polens zur Europäischen Union mahnt Ahland die Notwendigkeit einer deutsch-polnischen Aussöhnung an:

"Zu keinem Zeitpunkt in den letzten 200 Jahren gestaltete sich das Verhältnis zwischen Polen und Deutschland konfliktfrei. Erst jetzt erhalten die Menschen beider Länder die Möglichkeit, sich einander zu nähern. Dabei wird deutlich, dass die europäische Integration nicht nur auf staatlicher Ebene gelingen muss. Sie muss auch gelebt werden."


Die Broschüre "Reise in ein unbekanntes Land. Mit der Rosi-Wolfstein-Gesellschaft auf den Spuren der Polen in Witten" ist in jeder Buchhandlung und beim Ruhrstadt-Verlag zum Preis von 8,50 Euro erhältlich
Ruhr Nachrichten - 25. 03. 2004

Pressetermin am 25. März 2004, 11 Uhr

Endlich ist sie fertig: Die Broschüre "Reise in ein unbekanntes Land. Auf den Spuren der Polen in Witten" von Dr. Frank Ahland (Text) und Udo Hennenhöfer (Fotos), beide Gründungsmitglieder der Rosi-Wolfstein-Gesellschaft. Ruhr-Nachrichten und WAZ schickten Pressevertreter, um die Übergabe der druckfrischen Broschüren an Dr. Martina Kliner-Fruck, Leiterin des Wittener Stadtarchivs, und den Historiker M. A. Klaus Völkel, der zusammen mit Manfred Grieger intensiv die Geschichte der Zwangsarbeit in Witten erforscht hat. Als Ort wurde Gleis 3/4 des Wittener Hauptbahnhofes nicht zufällig gewählt: Hier begann für viele Polen der Aufenthalt in Witten und hier startet auch die aktuelle Fahrradtour am 2. Mai 2004.

Die Pressemappe ist hier als PDF-Datei einzusehen.



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Letzte Änderung am 01.11.2006
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