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5. Juden in der lokalen Gesellschaft Daß die Wittener Juden in der lokalen Gesellschaft keineswegs isoliert lebten, sondern in die dortigen Mikrostrukturen vielfältig eingebunden waren, läßt sich anhand zweier Beobachtungen verdeutlichen, die gleichermaßen für die Zeit des Kaiserreiches von entscheidenden Bedeutung waren: die Einbindung in die Kommunalpolitik und in das Vereinswesen. Seit den 1860er Jahren waren jüdische Stadtverordnete in Westfalen nicht länger eine Ausnahme, sondern eher die Regel geworden. Zwischen 1877 und 1881 vertrat Samuel Hanf die Wittener Bürgerschaft im Stadtverordnetenkollegium. Erst 1898 folgte Moritz Hanf seinem Vater. Er war Mitglied der Rechnungsrevisionskommission, kurzzeitig der Wahlkommission und lange Jahre Vorsitzender der Finanzkommission. 1924 zog er sich aus der Kommunalpolitik zurück.
Solange das Dreiklassenwahlrecht die Sozialdemokraten aus der Kommunalpolitik ausschloß, blieben die Stadtverordneten von ihrem Selbstverständnis her ausgesprochen unpolitisch. Jedoch standen Vater und Sohn Hanf und der Kaufmann Josef Lindenbaum wie auch die Mehrheit der Wittener Stadtverordneten dem Nationalliberalismus nahe. Jacob Ostwald schließlich sah sich als "einer der fünf Parteiführer" der Wittener Liberalen seit den 1860er Jahren. Bei den ersten demokratischen Kommunalwahlen 1919 vertrat Moritz Hanf die Deutschnationalen, seine Frau Rebecca war währenddessen unter dem Eindruck des Verlustes ihres ältesten Sohnes im Ersten Weltkrieg zur Pazifistin geworden. 1909 wurde Lindenbaum zum Stadtverordneter gewählt, er vertrat nach 1919 zeitweise allein die linksliberale Deutsche Demokratische Partei in der Stadtverordnetenversammlung. Als sich 1886 der "Verein für Orts- und Heimatskunde in der Grafschaft Mark" gründete, traten neben Ostwald von den 17 Repräsentanten der jüdischen Gemeinde sechs dem Verein als Gründungsmitglieder und fünf weitere bis Mitte der 1890er Jahre bei: Erst seit einigen Jahrzehnten in Witten ansässig, suchten sie die Nähe in einem der Heimat verbundenen Verein.
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