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4. Die jüdische Gemeinde zwischen Repräsentation und Apathie 1854 schlossen sich die in Witten und einigen umliegenden Gemeinden niedergelassenen Juden zu einem Synagogenbezirk zusammen. Nach ihrem Statut wählten die männlichen Mitglieder der jüdischen Gemeinde neun Repräsentanten und drei Stellvertreter aus ihren Reihen. Die Repräsentanten wählten ihrerseits drei ehrenamtliche Vorstandsmitglieder und zwei Stellvertreter. Der Vorstand bestimmte einen Vorsitzenden und vertrat schließlich die Gemeinde nach außen hin. Die drei Vorstandsmitglieder waren wesentlich älter, vermögender und länger ortsansässig als das durchschnittliche Gemeindemitglied. Die Zusammensetzung des Vorstands läßt über die Jahrzehnte hinweg deutliche Verstetigungstendenzen erkennen, offenbar wurden die ausscheidenden Mitglieder ohne Diskussion erneut gewählt. Ähnliches galt für die Repräsentanten, nur war hier die Fluktuation, auch durch die Möglichkeit, in den Vorstand aufzusteigen, größer. Aufmerksamkeit verdient auch die geringe Beteiligung an den Repräsentantenwahlen. Somit läßt sich vermuten, daß die Gemeindearbeit in den 1890er Jahren beinahe stillstand. Einerseits waren die Motivation, an den Gemeindewahlen teilzunehmen, und die Gemeindearbeit selbst im wesentlichen auf den Vorstand konzentriert. Die Aufgaben der Gemeindevertreter hatten sich um die Jahrhundertwende gegenüber den 1860er Jahren stark vermindert: Die jüdische Schule war an die Stadt abgetreten und die damit verbundenen Aufgaben an den jüdischen Schulvorstand übertragen worden. Offenbar waren die 1860er Jahre durch starke Auseinandersetzungen innerhalb der Gemeinde gekennzeichnet gewesen, so daß nun ein wesentlicher Streitpunkt entfallen war. Ein übriges tat das Ausscheiden der Vertreter der Orthodoxie. Und als 1885 die neue Synagoge errichtet werden konnte, war auch das langjährige Provisorium des Betsaales beendet worden. Abgesehen von der allgemeinen Verwaltung der Synagoge blieb für den Vorstand nicht viel zu tun: Die Gottesdienste besorgte der Lehrer und Kantor Jacob Ostwald, die Gemeindeabgaben wurden auf dem Verwaltungsweg eingezogen, die Listen der Wahlberechtigten von städtischen Beamten erstellt. Die ehrenamtliche Tätigkeit im Vorstand der Synagogengemeinde beschränkte sich auf die Repräsentation an einem Orte, an dem eine Bürgerschaft regierte, dem sich die ortsansässigen Juden in ihrer übergroßen Mehrheit fast vollständig assimiliert hatten, in der es keine offenen Auseinandersetzungen mehr zu führen gab.
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