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1. Berufsstruktur Von Händlern zu Kaufleuten Von etwa 1850 bis in die 1880er Jahre hinein durchlief die jüdische Gemeinde in Witten eine dynamische Entwicklung. Gerade jüngere Juden aus den ländlichen Gebieten Westfalens, Hessens und des Rheinlands zogen hierher. Die Gemeinde wuchs beständig und erreichte 1885 mit 420 Personen ihren Höchststand. Auch in den folgenden Jahrzehnten wohnten zwar ständig zwischen 250 und 420 Juden in Witten, ihr Anteil an der Bevölkerung sank jedoch bis 1905 von 2 auf knapp 1,2%.
Arno Herzig stellt über die westfälischen Juden fest, sie hätten sich noch 1852 als Kaufleute in unteren Positionen, als Trödler und Kleinhändler betätigt, hätten dagegen in den 1870er Jahren in die gehobene Kaufmannsschicht aufsteigen können. Gleiches trifft auch auf die Wittener Juden zu. Bereits 1897 hatte sich die soziale Schichtung noch einmal verschoben. Zu den gehobenen Kaufmannsrängen kamen nun zwei Ärzte als Vertreter des Bildungsbürgertums sowie einige Angestellte hinzu, während unter den Wittener Juden kein einziger sich in den spezifischen Erwerbsquellen des entstehenden Ruhrgebietes Kohle, Stahl sowie Metallerzeugung und -verarbeitung engagierte, sieht man einmal von dem Bergwerksbesitzer und Bankier Salomon Hanf ab.
Stellt man in Rechnung, daß die durchschnittliche Kinderzahl der jüdischen Bevölkerung deutlich unter der der nichtjüdischen Bevölkerung lag, somit weniger Personen von dem errechneten Durchschnittseinkommen leben mußten, dann wird deutlich, daß die Wittener Juden im Ganzen gesehen den Aufstieg in eine gesicherte Mittelschicht geschafft haben. Im Vergleich zur Gesamtbevölkerung wiesen sie eine erheblich geringere Einkommensstreuung auf. Ein weiterer ökonomischer Aufschwung blieb ihnen aus zweierlei Gründen verwehrt: Zum einen steckte der Handel mit Agrarprodukten, den einige der jüdischen Kaufleute in Witten betrieben, seit den 1870er Jahren in einer Dauerkrise, die wenig Aussicht auf eine weitere Expansion bot, zum anderen gelang ihnen der Aufstieg in die industrielle Oberschicht Wittens nicht. In den 1890er Jahren schließlich konnten einzelne Wittener Juden, insbesondere solche der zweiten oder dritten Generation, den Sprung ins Bildungsbürgertum, etwa in den Ärzte- oder den Anwaltsstand, vollziehen.
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